Dauerstau und Dach-Einsturz
In ganz NRW behindern Mittwochmorgen (03.02.10) Schneematsch und Glatteis den Verkehr. Auf allen Autobahnen gebe es Staus, warnt das WDR-Verkehrsstudio. Auf der Sauerlandlinie A45 sind Bergungstrupps im Dauereinsatz. In Attendorn stürzte wegen der Schneemassen ein Hallendach ein.
Auf der bergigen Sauerlandlinie "bleiben immer wieder Lkw liegen, die weggeschleppt werden müssen", hieß es aus dem WDR-Verkehrsstudio. Seit Dienstagabend herrsche Dauerstau in Höhe von Olpe Richtung Dortmund. Noch am Morgen stauen sich die Fahrzeuge zwischen Freudenberg und Meinerzhagen mehrere Kilometer lang. Auch die Gegenrichtung ist teilweise dicht. Autofahrer berichteten im WDR 2-Morgenmagazin, dass sie die ganze Nacht im Stau auf der A45 verbrachten. Insgesamt kam es auf den eisglatten Straßen Nordrhein-Westfalens von Dienstag- bis Mittwochmorgen zu rund 750 Unfällen. Dabei wurden nach Polizeiangaben sechs Menschen schwer verletzt, 39 Menschen leicht.
Halle eingestürzt
Schneelast brachte Halle zum Einsturz
Nach heftigen Schneefällen war am Dienstagabend (02.02.10) im sauerländischen Attendorn eine Halle in einem Industriegebiet eingestürzt. Trümmerteile fielen auf ein Auto, in dem sich ein 59-jähriger Mann befand. Er wurde schwer verletzt, teilte die Polizei Olpe mit.
"Die Halle im Attendorner Industriegebiet Biggen ist gegen 18 Uhr eingestürzt", sagte ein Sprecher der Polizei Olpe WDR.de am Dienstagabend (02.02.10). Zum Zeitpunkt des Unglücks habe neben der Halle ein Pkw geparkt, in dem sich ein Mensch befand. "Teile der Halle sind auf das Auto gestürzt. Der Insasse wurde inzwischen aus dem Fahrzeug geborgen und kam mit schwersten Verletzungen in ein Krankenhaus, so der Sprecher weiter.
Nach seiner Darstellung hatte das Technische Hilfswerk (THW) vor dem Einsturz versucht, das 100 mal 40 Meter große Hallendach eines Unternehmens für Wasserleitungen vom Schnee zu befreien. "Das THW hat die Arbeit aber dann eingestellt, weil es zu gefährlich wurde", sagte der Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte hätten Alarm geschlagen und eine Räumung der Halle empfohlen. Ob oder wie viele Personen sich zum Zeitpunkt des Einsturzes in dem Gebäude befanden, konnte die Kreispolizei nicht sagen. Wegen des schwerer werdenden Schnees sind zurzeit viele Hallen im Kreis Olpe gefährdet. Mehrere Tankstellen wurden geschlossen, da die Dächer nachzugeben drohten. Allein in Remscheid waren 250 Mitarbeiter von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk bis in die frühen Morgenstunden des Mittwoch damit beschäftigt, Schnee von Dächern zu räumen.
100 Hallen in Wuppertal gesperrt
Gefährliche Schneelast
Auch sämtliche Hallen der Stadt Wuppertal wurdern wegen der massiven Schnee- und Regenfälle gesperrt. "Die Sperrung erfolgt rein vorsorglich", sagte der Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Hans-Uwe Flunkert. Mit Blick auf das Unglück von Bad Reichenhall, wo 2006 eine Eishalle unter der Last der Schneedecke eingestürzt war, wolle man kein Risiko eingehen. Die Sperrung gilt zunächst bis Mittwoch. Betroffen sind 100 Gebäude, neben der Uni-Halle vor allem Schulturnhallen und Sporthallen.
Die Stadt Siegen schloss ihre Schulen, Sporthallen und Hallenbäder für zwei Tage bis einschließlich Mittwoch (03.02.10) und forderte Hausbesitzer auf, den Schnee vor allem von Flachdächern zu räumen. Zusätzlicher Regen und verstopfte Dachrinnen könnten ihn so schwer werden lassen, dass die Dächer einstürzen, befürchtet die Bauaufsicht.
Massive Verkehrsbehinderungen
Gefährliche Piste
Die starken Schneefälle führten bereits am Dienstag (02.02.10) zu massiven Verkehrsbehinderungen - vor allem an den Steigungen der A1, A43 und A46 im Bergischen Land sowie der A45 im Sauerland. Im Kreis Soest blieben mehrere Autofahrer in Schneeverwehungen stecken. Besonders zugespitzt hatte sich die Lage auf dem Haarweg bei Möhnesee. Dort war ein Auto mit einem Schulbus kollidiert. "Es gab keine Verletzten, aber die Fahrzeuge kommen ohne Hilfe nicht weiter", sagte ein Polizeisprecher. Auch die Polizei selbst hat Probleme mit dem Wetter. Bei Möhnesee-Wippringsen blieb ein Streifenwagen zusammen mit einem Laster und einem weiteren Auto im Schnee stecken.
Chaotische Zustände gab es im Bergischen Land. In Remscheid blockierten im Schnee liegengebliebene Lastwagen und umgestürzte Bäume die Durchfahrtsstraßen. Dort gingen am Nachmittag über 300 Notrufe ein.
Von Miriam kalt erwischt [Aktuelle Stunde]
Tief im Schnee [Aktuelle Stunde]
Audios und Videos zum Thema [Mediathek]
Eisklumpen durchschlägt Windschutzscheibe
Video
Risiko Eisplatten [Aktuelle Stunde]
Im ostwestfälischen Spenge hatte ein Mutter mit ihren beiden Kindern Glück im Unglück. Ein großer Eisklumpen hatte sich von einem Anhänger gelöst und die Windschutzscheibe ihres Fahrzeugs durchschlagen. Mutter und Kinder kamen mit leichten Verletzungen davon. Innerhalb von 24 Stunden hatte es bereits zum Wochenauftakt bis einschließlich Dienstagmorgen auf schnee- und eisglatten Straßen in NRW fast 900 Mal gekracht, teilte das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg mit.
Tausende Schüler haben schneefrei
Tausenden Kindern beschert der strenge Winter ein Ferien-Intermezzo. An vielen Schulen im Märkischen Kreis, im Kreis Olpe oder im Kreis Siegen-Wittgenstein soll wie schon am Dienstag auch am Mittwoch der Unterricht ausfallen. Wie mehrere Kreisverwaltungen mitteilten, können Eltern bei gefährlicher Wetterlage selbst entscheiden, ob ihr Nachwuchs zu Hause bleibt. Allerdings muss die Schule darüber informiert werden. Für versäumte Klassenarbeiten werden Nachschreibe-Termine angeboten.
Lebensgefahr bei Waldspaziergängen
Der Landesbetrieb Wald und Holz in Arnsberg warnt derweil Spaziergänger vor Gefahren durch Schneebruch. "Außerdem kann man in den verschneiten Wäldern schnell die Orientierung verlieren, weil Wege nicht mehr erkennbar sind", sagte ein Sprecher. Gefahrenstellen seien durch den Neuschnee nicht mehr zu erkennen. Wenn einem Spaziergänger im Wald etwas passiere, drohe der Erfrierungstod, weil auch Helfer sich nicht orientieren könnten.